Die Kleinbahn Hachenburg - Selters

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Rechts im Bild die einzige noch erhaltene C-Tenderlokomotive der ehemaligen Kleinbahn Hachenburg - Selters als Denkmal der Nassauischen Kleinbahn in Nastätten / Taunus. 

1896 wurde eine einspurige Bahnlinie von Hachenburg nach Selters, die durch den Hatterter Grund mit Haltestellen in Oberhattert,  Niederhattert und Laad führen sollte, projektiert und den Behörden vorgelegt.

Der Kostenvoranschlag für den Bau der einspurigen Kleinbahn mit einer Länge von 23.206 m belief sich auf 1.704.00 Mark.
Es müssen zwei Brücken mit einer Spannweite von 4 und 7 Metern zur Überquerung des Holzbaches und der Wied gebaut werden.

Die Fahrgeschwindigkeit ist in der Horizontalen 25-30 km und sinkt in den stärksten Steigungen auf 15 km pro Stunde, so dass die Mittelgeschwindigkeit ca. 20 km pro Stunde beträgt.

 

Am 1.März 1901 wurde die eingleisige Schmalspurbahn dem Verkehr übergeben.


Brückenbau für die Kleinbahn

 

 

In der Pfarrchronik von 1900 steht:

 

"Gelegentlich des Baues der Klein-Bahn Hachenburg-Selters haben sehr viel daran beschäftigte italienische Arbeiter in verschiedenen Orten des Kirchspiels Quartier gehabt.
Gelegentlich der Kirchweih zu Hütte am 30. September kam es zwischen Hütter Burschen und Männern einerseits und Italienern, die im Hatterter Grund wohnten, andererseits, zu einer von letzteren begonnenen Schlägerei, wobei ein Italiener erschlagen wurde.

Zwei Burschen von Hütte wurden gefänglich eingezogen..."

 


Am 1.März 1902 schreibt Lehrer Wagner in die Oberhatterter Schulchronik, hier ein Auszug:

"Schon vor 7 Jahren war das Projekt in Angriff genommen, bezüglich der Baukosten gab es viele Hindernisse.
Die ersten Arbeiter dahier waren nur Russisch-Polen aus dem Kreise Kalisch, sogar Frauenspersonen von dort waren an den Grundarbeiten beteiligt.

Wenn man das Anlagekapital, die zu zahlenden Zinsen und Betriebsunterhaltung vergleicht mit ihrer bisherigen Rentabilität, so muss man dabei den Kopf schütteln. Wie hoch mögen wohl die Baukosten den Anschlag überschritten haben, denn wie viele Stellen sind zwei, ja dreimal gebaut worden, bis die erste versuchte Arbeit wieder ordentlich wurde, wie verlangsamt ging oft der Bau vor sich, wie viel Schwindel soll getrieben worden sein mit den Lohnlisten, ebenso unberechtigten Abzügen bei Lohnauszahlungen. Wer weiß wann und wie die Prozesse endigen, die gegenwärtig geführt werden.
Nun sie ist mit doppelten Kosten gebaut. Die erhofften Einnahmen sind aber noch nicht zur Hälfte eingegangen.

 

Die vorläufige Hauptsache aber ist: Wir können fahren. Ein Fremder, der jedoch am Einsteigeplatz vorbeikommt, wird den Einheimischen fragen: Wie, seid ihr Hatterter noch unserem Jahrhundert zurück? Ihr habt ja noch einen Galgen? Werden die Verbrecher hier zu Lande noch gehenkt? Dieser wird wohl antworten: Herr, Sie wollen uns wohl beleidigen, das ist unser Bahnhof!

So ist es in Wirklichkeit, und nicht allein in Oberhattert, sondern an den meisten Stationen der ganzen 23 km langen Strecke. Noch nicht eine Bretterhalle ist zu sehen, wo man beim Zuwarten des "Schnellzuges", wie die Leute bis jetzt vielfach sagen, vor der Unbill des Wetters Schutz finden könnte."

Die Kleinbahn im Hatterter Grund

Der Bahnhof in Oberhattert, damals und heute noch der Gasthof Weyer


 

Wegen  Unrentabilität wurde der Fahrbetrieb der Kleinbahn Hachenburg-Selters zeitweilig eingestellt, jedoch im Jahre 1936 unter Erweiterung des Fahrplanes mit neuzeitlichen Diesel-Motor-Triebwagen wieder aufgenommen.

1950 wurde die Bahn endgültig stillgelegt. Der Bahnkörper wurde entfernt und der Personenverkehr auf Omnibusse umgestellt.