Anekdoten von früher

1726 Auch schon in früheren Zeiten hatten die Bürger mit der Obrigkeit ihre liebe Last.

So sollten die Bewohner von "in der Laden", heute Laad im Jahre 1725 an die gnädige Herrschaft 5 Klafter Holz liefern, hatten aber keinen Wald.

 

So schreiben die Bewohner in der Laden an Hochgeborenen Graf und Herrn:


"Euer hochgräfl. Excell. haben vorm Jahr (....) befohlen, dass ein jeder Kirchspielsunterthan all und jedes Jahr 5 Klafter Brennholz machen und hauen soll, welchem wir auch gerne unterthänige Parition leisten wollen, weilen wir aber in der Laden ganz keine Waldung, dahero wir nicht wissen, wo wir solches hauen sollen, ob zwarn vorhin hier und da mit den Hattertern ansonsten aus Vergünstigung Klafterholz gehauen, so nicht mehr angehen will.

Deswegen haben Ew. hochgf. Excell. unterthänigst bitten wollen, sie geruhe uns doch gnädigst anweisen zu lassen, in welchem Bezirek wir sothanes herschaftl. Holz hauen sollen, so werden wir ohnverdrossen unterthänigst verrichten, denn obschon mit den Niederhatterter Gemeinden in Gemeinschaft stehen, so dürfen wir doch nicht mit ihnen Holz hauen."

1858 Bürgermeister Bierbrauer von Oberhattert

1858 wird Bürgermeister Bierbrauer zum Rücktritt geraten, "wegen eines ihm in letzter Zeit zukommenen Sprachfehlers" , weswegen er sich nicht mehr verständlich machen kann. Bürgermeister Bierbrauer reicht ein Gesuch an das Herzogliche Amt ein, in dem er seine Krankheit beschreibt: "Der Fehler kommt nicht von der Zunge, sondern meistens vom Aussteigen eines Schleims aus dem Magen, was sich auf die Luftröhre und den Mund bezieht, her."

Im Dezember 1858 wird der herzoglichen Landesregierung erneut berichtet, dass Bürgermeister Bierbrauer immer noch an einer Zungenlähmung leide und "wenn er sprechen will, so kommen lauter unartikulierte, unverständliche Töne hervor."
Der Zustand sei immer schlimmer geworden, an Körper und Geist sei er sonst gesund und im Schreiben sehr erfahren.

1860 ist der Sprachfehler immer noch nicht behoben. Bei Amtshandlungen wird er vom Beigeordneten vertreten.

Am 20. August 1865 ist Bürgermeister Peter Bierbrauer verstorben.

1873 - Finanzverhältnisse Gemeinde Niederhattert

Die Gemeinde Niederhattert gehörte zu den ärmsten Gemeinden des Oberwesterwaldes und bekam mit Rücksicht auf die schlechten Finanzverhältnisse jedes Jahr Staatszuschüsse. 

Am 20. November 1873 machte Bürgermeister Jung von Niederhattert die Anzeige, "dass die Gemeindekasse von allen Mitteln entblößt sei". Die königliche Steuerkasse hatte beantragt, die Gemeinde zur Zahlung der rückständigen Annuitäten anzuhalten, aber die Gemeindekasse war leer.

Vom Landrat wurde deshalb vorgeschlagen: "Wenngleich die Gemeinde Niederhattert zu den weniger wohlhabenden gehört, so könnte dieselbe, um das Gleichgewicht zwischen Ausgaben und Einnahmen herzustellen, doch so gut wie viele anderen Gemeinden wenigstens 100% heben".
Der Bürgermeister sei zwar dafür, dieser jedoch der einzige in Niederhattert, der die redliche Absicht habe, die Kalamität zu beseitigen. Der übrige Gemeinderat und die Gemeindeversammlung seien entschieden dagegen.

1875 hatte Niederhattert ein Defizit von 57 Mark und 85 Pfennig.

1875 - Kirchweihfest in Niederhattert

Schon damals waren  die Kirchweihfeste eher eine deftige Angelegenheit, bei der es hoch herging. Am 2. August 1875 erschien der Wirt Johann Pennig aus Niederhattert auf dem Amt und führte Beschwerde, dass "sie ihm die Erlaubnis zur Abhaltung des Kirchweifestes nicht erteilen wollen"
Bürgermeister Jung möchte mit allen Mitteln verhindern, dass das Fest abgehalten wird. Als Gründe gibt er an, das Dorf sei zu arm und die zu zahlenden Steuern seien sowieso kaum aufzubringen. Außerdem könne im Interesse der Ortspolizei die Abhaltung von Tanzmusik nicht zugelassen werden, aus Rücksichten, die beschämend aufzuführen seien.

Die Regierung teilt jedoch mit, dass laut Regierungsverordnung die Abhaltung von Tanzbelustigungen in der Woche des Kirchweihfestes in der Regel zu gestatten ist.
Am 7. August 1875 berichtet Bürgermeister Jung, dass auf der letzten Festlichkeit vor 20 Jahren eine Schlägerei stattgefunden habe, "wovon noch Spuren der Verstümmelung vorhanden sind". Er weigert sich hartnäckig, die Tanzmusik zu gestatten, droht sogar mit seinem Rücktritt.
Am 19. August 1875 wird gestattet, Sonntag den 29. August bis nachts 12°° Uhr einfach Tanzmusik abzuhalten.

1877 24.März - Antrag von Bürgermeister Jung, Niederhattert

Obschon ich zugeben muss, dass die finanziellen Verhältnisse der Gemeinde dies schwerfallen lässt, so ist auf der anderen Seite auch der Dienst des Bürgermeisters umso schwieriger und der geringste Tagelöhner sich eines besseren Lohnes erfreuen darf, denn auf den Jahresgehalt von 114 Mark ergibt sich ein Tagelohn von 31 Pf., ein Betrag, der wenn in gesellschaftlichen Kreisen zur Sprache kommt, nur allgemeines Lachen erregt und schließlich zum Spott ausgelegt wird, mit den Worten, der Titel ist auch etwas werth. Allein der Bürgermeistertitel ist in einer solchen Gemeinde, mit überhäuften Arbeiten, hat für mich in keiner Weise welchen Werth, und würde gerne Verzicht geleistet, wenn nicht in mancher Beziehung der patriotische Sinn vorherrschend wäre.
Das Gesuch wurde abgelehnt.

1880 Lehrer Gasteyer Oberhattert

Am 1. Mai 1880 kommt Lehrer Gasteyer nach Oberhattert. Es gibt Auseinandersetzungen um das Schulgut, Lehrer Gasteyer wurde wegen Sachbeschädigung angeklagt und vom Landgericht Hachenburg zu 16 Mark Entschädigung verurteilt. Er bat um seine Versetzung und wurde bereits im Oktober von Lehrer Burkardt abgelöst.
In der Schulchronik schreibt er: "Überhaupt könnte ich noch mehr niederschreiben, was ich in der kurzen Zeit hier erlebt habe, aber die Zeit ist mir zu kostbar für solche ehrenhaften Sachen. Lieber Nachfolger, wer Du auch bist, ich bedaure Dich von Herzen, dass Du hierhin gekommen bist, wo man Dir kein Vergnügen und kein ruhiges, friedliches Leben gönnt. Doch es gibt auch gute Menschen hier, aber die haben leider keine Gewalt"

1890 -Schreiben Lehrer Klapper, Niederhattert an Bürgermeister Jung 

Im Mai 1890 bittet Lehrer Klapper um "Beseitigung des Übelstandes am Lehrsaal der Schule: Unter dem hiesigen Schulsaale befindet sich ein nasser Keller, ein Kuh-, Schweine- und Hühnerstall ohne jede Ventilation. Alle Ausdünstungen der genannten Räume strömen durch den defekten Fußboden in den Lehrsaal, wo täglich 104 Schüler unterrichtet werden. Die Wände und sämtliche Utensilien sind mit Schimmel besetzt. Bis zum vorigen Jahre führte eine schornsteinartige Röhre die nassen und gesundheitsschädlichen Dünste bis zum Dache."


Antwortschreiben von Bürgermeister Jung:
Der Schimmel sei höchstens im Bücherschrank, was ein Zeichen schlechter Verwaltung sei. "Den Übelständen kann daher nur am besten durch Versetzung des Lehrers abgeholfen werden. Auch ist dieselbe sehr zu wünschen, in dem der Lehrer fast mit einem Drittel der Bürger sich verfeindet hat, durch unziemliche Reden in der Schule, die bereits soweit fortgeschritten sind, dass selbst noch nicht schulpflichtige Kinder dem Lehrer, jene von ihm in der Schule gebrauchten Wörter wie: Meckes und Obermeckes, Hund u. dgl. auf der Straße nachrufen. Es ist dies sehr zu bedauern, kann aber die Schuld davon nur auf den Lehrer zurückgeführt werden, indem früher derartiges nicht vorgefallen".

Lehrer Klapper versah später den Schuldienst in Gehlert. 1898 wurde er wegen Sittlichkeitsdelikten an Schulkindern in 8 Fällen zu einer Gefängnisstrafe von 3 Jahren und 6 Monaten verurteilt und aus dem Schuldienst entlassen.

Lehrer Klapper schreibt an die Königliche Regierung in Wiesbaden (Auszug):

"Klarstellung meines traurigen Verhältnisses zum hiesigen Bürgermeister Herrn Jung. Als ich nun im verflossenen Winter einen Knaben wegen eines groben Vergehens mit 6 Schlägen bestrafte, glaubte man Grund genug gefunden zu haben, mich bei meiner vorgesetzten Behörde zu beklagen. Der Vater des bestraften Knaben, ein hiesiger Landmann, welcher weder Lesen noch Schreiben kann, ließ eine Klage von Bürgermeister Jung anfertigen und ließ sich so, ohne es zu wissen, als Strohmann vorschieben.  ."


Der Schuldirigent meint zur Sache:
"Heinrich Schumacher erhielt, weil er unsittliche Figuren auf die Bank eingeschnitten habe, 6 Schläge auf das Gesäß. Diese Strafe kann für diese Art des Vergehens nicht als zu streng erachtet werden.
Wenn hierauf die Mutter, wie der Lehrer behauptet, in des Lehrers Wohnung kam und solchen Lärm machte, dass dessen Frau in Krämpfe fiel und sich sonstige grobe Beleidigungen derselben erlaubte, so hatte sie dazu keine Veranlassung und hat sich durch dieses Vergehen strafbar gemacht.

Es scheint mir in höchstem Grade zu tadeln, wenn Eltern, statt ihrer Kinder zu der wohlverdienten Schulstrafe zu Hause noch einmal Strafe zu geben, dem Lehrer ins Haus rücken und ihm Vorwürfe machen wollen, oder gar die Kinder zum offenen Widerstand und Ungehorsam gegen den Lehrer anhalten. Sie erschweren dadurch dem Lehrer sein, zumal in Niederhattert schon schweres Amt, untergraben dessen Ansehen bei den Kindern und verziehen ihre Kinder, wenn sie ihnen Recht geben, wo sie Strafe verdienen.

Wenn es wahr ist, was der Lehrer behauptet, dass Lehrer Bauer abends auf der Straße misshandelt worden, Lehrer Eckhard mit Steinen geworfen, Lehrer Baum bedroht und seine Fenster in der Nacht mit Steinen beworfen worden seien, so scheint es, als ob kein Lehrer in Niederhattert in Frieden habe durchkommen können."

1923 - Großbrand in Hütte

"10.Mai. In diesen Tagen ist in unserer Hütte etwas geschehen, das eine poetische Natur zu einem längeren Erguss in der Westerwälder Zeitung veranlasst hat. Ich lasse den Tatsachenbestand folgen. Ein warmer Maiabend, der zum Verweilen draußen einlädt. Das Schäkern der Mädchen und Burschen klingt überall, da plötzlich eine andere Tonart: Feuer! Der Wald brennt! Auf einem Horn tutend durcheilt einer das Dorf, bald hat er eine stattliche Zahl hinter sich, die mit Beilen u.a. ausgerüstet losziehen, um den Waldbrand zu löschen. Doch wo? Da drüben, wo der Horizont so dunkelrot gefärbt! Weiter! Aber die Stelle will nicht kommen, wohl aber steht in der angedeuteten Richtung der Mond, still, friedlich, mit einem lächelnden Zucken um das weltenalte Angesicht: ihn hatten sie löschen wollen, die Hütter. Die stehen eine Weile still, wie weiland die Schildbürger vor ihrem Rathaus. Der Heimweg? Den lässt die Feder des Chronisten in Schweigen gehüllt. Irrtum bleibt menschlich.

Am folgenden Tag brannte es wirklich, der Feuerruf durchgellte den Ort. Doch es rührte sich keiner, alles andere als wieder den Mond löschen.

Erst als das Glöckchen wimmerte, trafen die Helfer ein: Bei August Hehn war ein Wäscheschrank beinah ausgebrannt, die Feuerwehr fand wenig Arbeit."